Wandern & Trekking

Herbst im Wald: Pilzesammeln mit Kindern

Von Gast Autor
Kinder bestimmen Pilze mit einem Pilzbuch

Geschrieben von Ashley Schütz


Wenn der Sommer langsam in den Herbst übergeht, verwandelt sich der Wald als Erstes. Vom Septemberregen frisch getränkte Moospolster bedecken Kies und Baumwurzeln und das Blätterdach über uns färbt sich an den Rändern langsam gelb und orange. Wir richten unseren Blick aber auf den Boden. Denn dort wachsen die Kostbarkeiten, für die wir hierhergekommen sind: Pilze.

Eine Stunde sind wir von Zürich aus über Strassen und Schotterwege für Wanderer, Jäger und Traktoren in den Kanton St. Gallen gefahren. Erfahrene Freunde haben uns den Weg gezeigt und zu einem provisorischen Parkplatz am Ende der Strasse geführt, der um 10 Uhr morgens schon fast voll ist. Am Ausgangspunkt steht eine grosse Tafel: PILZSCHUTZ. Darauf eine Liste mit Regeln, wie etwa kein Sammeln zwischen 20 und 8 Uhr, und fett gedruckt der Hinweis auf die Höchstmenge von 2 Kilo Pilzen pro Person.

Ein Kind trägt gesammelte Pilze in einem Korb

Die Pilzsuche ist ein gemächliches Versteckspiel. Und eine Schatzsuche im Wald ist für Kinder immer ein Abenteuer! In vielem ähnelt sie der Vogelbeobachtung: Der Blick wird geschärft und sucht die Umgebung nach etwas Kleinem, meist gut Getarntem ab. Nur schauen wir nicht nach oben in die Baumkronen, sondern nach unten auf den Waldboden und achten genau auf Farben und Muster. Anders als Vögel bewegen sich Pilze zwar nicht, aber im Verstecken sind sie wahre Meister. Wir fokussieren unsere Augen wie das Objektiv einer Kamera, um die kleinen Schlitzohren aufzuspüren.

Trotz des Namens hat die Pilzjagd wenig mit dem gemein, was ein ausgebildeter Jäger tut. Schon die Ausrüstung ist eine ganz andere (vor einem Pilz muss man sich schliesslich nicht im Tarnanzug verstecken …). Ein geschulter Blick ist aber bei beiden Aktivitäten unerlässlich. Wer jagt, ob Pilz oder Wild, liest den Wald beim Durchstreifen und achtet auf feine Hinweise, die die richtige Richtung verraten. Das verbindet alle Jäger.

Was braucht man für die Pilzjagd?

  • Sackmesser – darf auf keiner Pilzsuche fehlen
  • Pilzbürste – mit weichen Borsten, um Sand und Erde zu entfernen
  • Pilzbuch für die Region – zum Nachschlagen Korb für die zarten Schätze – stabil geflochten und schön luftig, damit die Pilze bequem liegen
  • Hut mit Krempe – weniger als Sonnenschutz, sondern damit die Augen im flirrenden Licht zwischen den Bäumen nicht ständig blinzeln müssen. Ein Muss für alle Pilzsammler!
  • Halstuch – gegen kühle Windböen
  • Bequeme Hose – zum Knien, mit genug Taschen für das Werkzeug
  • Rucksack – für Bücher, Wasser und Snacks

Wichtige Regeln bei der Pilzwahl:

Finger weg, wenn der Pilz …

  • … sich weich und matschig anfühlt, ungefähr wie ein überreifer Pfirsich.
  • … einen tief herabhängenden Hut hat.
  • … beschädigt ist. Ein paar Knabberspuren von Waldtieren sind in Ordnung, zertretene oder umgeknickte Pilze sollten nicht eingesammelt werden.
  • … unangenehm riecht. Setz alle Sinne ein, um zu erkennen, ob ein Pilz gesund genug zum Sammeln ist.

So sammelst du Pilze richtig:

  • Sammle nur ein, was du wirklich mitnehmen willst, und zerstöre niemals Pilze aus Spass. Sie sind ein wichtiger Teil des natürlichen Kreislaufs im Wald.
  • Fasse den Pilz tief unten am Stiel und zieh ihn nach oben heraus. Bedecke das Loch danach wieder mit Erde, um die zurückgebliebenen Sporen zu schützen.
  • Pro Person sind nur 2 Kilo erlaubt. Sammle also mit Bedacht und lass auch anderen etwas übrig.
  • Probiere keinen Pilz, bevor ihn eine erfahrene Person oder jemand von der offiziellen Pilzkontrolle begutachtet hat.
  • Bringe deine Funde zu einer amtlichen Pilzkontrolle in deiner Nähe. In der Saison ist sie meist jeden Abend für eine Stunde geöffnet. Dort stehst du mit Einheimischen an, die Körbe in allen Formen und Grössen voller Pilze tragen. Das geschulte Kontrollpersonal bestimmt jede Sorte, gibt Tipps, wie lange die Pilze gegart werden müssen, und am Ende bekommst du eine Quittung mit der Liste deiner Funde.
Ein Kind schaut in ein Buch über Pilze

Die Kinder rennen voraus, suchen die Ränder des Hauptwegs ab und halten Ausschau nach kleinen Farbtupfern im Moos, die auf einen Fund hinweisen könnten. Irgendwann entdecken die beiden älteren Mädchen eine Gruppe schneeweisser Pilze und blättern durch ihre Bücher, um sie zu bestimmen: Mehl-Räslinge. Der Name passt, denn sie sind tatsächlich so weiss wie frisch gemahlenes Mehl.

Etwas weiter rufen uns die beiden Jüngeren den Hang hinauf. Wir versammeln uns um ein paar Fliegenpilze mit ihren unverkennbaren roten, weiss getupften Hüten. Die riecht man, bevor man sie sieht, denn sie verströmen einen widerlichen Gestank, der an faule Eier erinnert. Gleichzeitig verraten sie aber auch, dass noch andere Pilzarten in der Nähe sein könnten. Und tatsächlich: Meine Jüngste steht mit einem breiten Grinsen da und zeigt stolz auf einen perfekten, prallen Steinpilz. Da ist er, einer der begehrtesten Funde überhaupt, inmitten von Baumwurzeln, wie eine herbstliche Trophäe. Wir gehen alle in die Knie, um ihn aus der Nähe zu bewundern.

Kinder reinigen die gesammelten Pilze

Wer einen Pilz findet, darf ihn auch pflücken. Also schiebt meine Tochter vorsichtig die Moosschicht beiseite, gräbt mit dem Finger die Erde rund um den Stielansatz frei und zieht den Steinpilz langsam heraus. Dann bedeckt sie das Loch behutsam wieder mit Erde und Moos, als würde sie die Sporen fürs nächste Jahr zudecken. Es ist ein kleiner, stiller Moment. Und trotzdem fühlt sich dieser Fund an wie grosses Kino.

Zum Schluss bleibt die Frage, die sich wahrscheinlich alle Eltern beim Pilzesammeln mit ihren Kindern stellen: Werden sie die Pilze auch essen? Mein Tipp: Pilze, Zwiebeln, Butter und Rahm sind eine leckere Kombination, die mit natürlicher Süsse, Würze und Umami punktet. Ein echter Volltreffer für pilzneugierige Kinder. Und falls sie trotzdem nicht zugreifen, hat sie zumindest das Jagdfieber gepackt, sodass sie es kaum erwarten können, nächsten Herbst wieder in den Wald zu gehen!

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